Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt

Es ist 01:01 Uhr morgens als ich diesen Beitrag beginne. Ich bin müde, aber zu wach um einfach zu versuchen, einzuschlafen. Also lenke ich mich seit gut zwei Stunden davon ab, auf das ich momentan keine Lust habe, das sich aber mit großen Schritten nähert.

Gestern kam es erstmals durch. Ich saß schon vormittags heulend im Bett weil ich so enttäuscht von mir war weil ich mich nicht aufraffen konnte, Brötchen kaufen zu gehen. Eine Lapalie, die eine Lawine auslöste. Eine Lawine an Selbstvorwürfen und Enttäuschung. Eine Lawine, die mich in einen tosenden Strudel von Stimmungsschwankungen hineinzog und die ein Vorgeschmack auf das ist, was ich heute Nacht hartnäckig versuche, abzuwehren.
Meine letzten Wochen waren geprägt von Unzufriedenheit. Unzufriedenheit vor allem mit mir selbst, mit meinem Umfeld und der Welt selbst. Ja, es nimmt mich mit, wenn in der Tagesschau nur das Wetter gut ist. Und es nimmt mich mit, 180 Stunden in 20 Tagen zu arbeiten und trotzdem nicht alles zu schaffen, was auf der Liste steht. Und es nimmt mich mit, zuhause nichts in Ordnung zu bringen weil ich antriebslos und müde bin. Hinzu kommt, dass es Herbst ist. Herbst ist schwer. Herbst ist schon seit Jahren schwer. Herbst ist die Zeit, in der ich früher tagelang Tool hörte und man sich Sorgen um mich machte weil ich häufiger auf Beerdigungen war als alle meine Klassenkameraden zusammen.
Herbst ist so wie meine Stimmung. Im einen Moment golden und sonnig, im nächsten eine Woche grau und Dauerregen. Ich stehe am Anfang von grau und Dauerregen und hoffe, dass ich mit meinem pinken Schirm das Gröbste abhalten kann. Hey Kopf, ich habe jetzt keine Zeit, Muße und Kraft, mich auf dein dunkles Treiben einzulassen! Ich bin zu schwach, mich im Strudel von Selbstzweifeln, -Vorwürfen und Enttäuschung an der Oberfläche zu halten. Ich kann jetzt nicht darin versinken, mir stunden-, nein, tagelang vorzuhalten, dass ich meinen Ansprüchen nicht genüge, dass ich niemandens Ansprüchen genüge, obwohl ich nicht weiß, ob es so ist. Ich kann mich jetzt nicht tagelang mit Smalltalk und „es geht mir gut“ Versicherungen durch den Tag hangeln um dann Abends im Bett zu einem Häufchen Elend zusammenzubrechen und mir vorzuwerfen, dass es völlig albern sei, wegen ein paar blöden Gedanken nicht mit dem Weinen aufhören zu können. Ich kann nicht wegen Kleinigkeiten in tiefe Löcher fallen und mir den ganzen Tag vorwerfen, ich könnte auch besser sein und dass es bestimmt jemand besseren geben wird, der genauso gut oder besser an meine Stelle passen würde. Ich kann mir keine Gedanken darum machen, wie andere damit zurecht kommen und mit welchen Ausreden ich mein trauriges Gesicht erklären kann.
Gestern konnte ich den Dauerregen weghalten, vorhin zogen die Wolken wieder auf. Mal sehen, ob die nächsten Tage gülden oder grau werden.

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