Glück und Glück.

In der ARD ist gerade Themenwoche zum Thema Glück. Hat bestimmt der ein oder andere schon mitbekommen. Ich habe eben dazu die Sendung Macht Besitz glücklich? gesehen und mich ziemlich aufgeregt. Hauptsächlich über die Studentin, für die ein schlechtes Einstiegsgehalt 45.000 Euro wären… Am Ende der Sendung durfte jeder, der darin vorkam nochmal eine Sache sagen, die ihn glücklich machen würde.

Klar denkt man bei solchen Themen auch mal darüber nach, was für einen persönlich Glück ist. Was man sich wünschen würde. Bald ist Weihnachten, eigentlich die Gelegenheit, mal einen Wunsch zu äußern. Mal etwas, das man sich sonst nicht gönnt, auf den Wunschzettel zu schreiben. Ich hadere seit Wochen schon damit, mir etwas zu wünschen. Insbesondere etwas materielles. Seit einiger Zeit schwebt mir eine schwarze Ledertasche vor Augen, zeitlos, etwas für die nächsten Jahre. Meine Eltern haben mir angeboten, mir diese Tasche zu schenken und trotzdem hadere ich noch mit mir, ob sie es mir wert ist, ob ich sie wirklich benötige oder mir nicht doch etwas anderes und vor allem kleineres wünschen soll. Meine Eltern und Oma haben mir erst vor ein paar Tagen das Geld für meine Zahnkrone überwiesen, da will ich nicht schon wieder etwas teures von ihnen bekommen. Und hier wären wir schon an dem Punkt, der mich zuletzt glücklich gemacht hat: zwei Jahre nach meinem Fahrradunfall ist endlich Ruhe in meinem Mund, sind endlich alle Baustellen weg. Nachdem ich im Januar vor Zahnschmerzen geheult habe und mitten in der Nacht zum Notdienst gefahren bin, habe ich nun eine super Zahnärztin und eine Krone auf meinem Ruinen-Zahn, der mir von zwei anderen Ärzten erst in diesen Zustand gebracht wurde.

Ich habe in diesem Jahr gelernt, dass es die vermeintlich kleinen Dinge sind, die einen zufrieden machen und zum lächeln bringen. Der schönste Moment des Tages ist für mich, neben dem Mann einzuschlafen und zu wissen, dass er die erste Person ist, die ich morgens sehen werde. Der Moment, in dem ich vor Freude fast geweint hätte, war, als ich in Island Nordlichter gesehen habe. Zwar nur ganz schwach, aber trotzdem so atemberaubend, dass es im Bauch gekribbelt hat und mir die Feuchte in die Augen trieb. Island war generell eine Reise, die mich auf so vielen Ebenen glücklich gemacht hat. Seit ich 12 war, wollte ich auf diese Insel und nun war es endlich so weit. Mein Traum war es, dort auf einem Islandpferd durch die Landschaft zu reiten und diesen Traum habe ich mir erfüllt. Sechs Stunden durch das Isländische Nichts. Es war wunderbar. Neben dem Reiten war es alles, was ich von der Insel gesehen habe, das mir das ein oder andere Mal dieses wohlige Gefühl im Bauch beschert hat. Die unendlichen Weiten, die Naturschauspiele, die man hier nicht kennt. Auch wenn es im Haukadalur von Touristen nur so wimmelte, in dem Moment, in dem ich Strokkur das erste Mal habe spucken sehen, waren diese vergessen. Hinter einem Wasserfall herlaufen, das ist Glück, obwohl die Brille nass wird und man nichts mehr sehen kann.

Reynir

Reynir, bekannt als das Pony, das Träume erfüllt

Auch zuhause gibt es einige Dinge, die mich auch ohne Geld glücklich machen. Wenn der Chef den großen Fortschritt lobt, den man im letzten Jahr gemacht hat. Wenn man hört, dass es der Oma in Belgien, die man schon ewig nicht mehr gesehen hat, gut geht und sie statt über ihre Gesundheit über die Nachbarn motzt (das war vor einem Jahr noch nicht so), wenn der Papa Bilder aus dem Kongo zeigt und man unendlich stolz auf ihn ist oder einfach nur wenn die Mama eine Mail schickt, in der sie schreibt, dass sie ihren Freundinnen Facebook erklären konnte und man genau weiß, wie sehr sie sich darüber freut.

Glück ist so klein. Ich hatte nie das Gefühl, dass mich teure Dinge lange glücklich gemacht haben. Wenn ich zum Beispiel an den Paris Urlaub vor fünf Jahren zurück denke, habe ich Picknicks unter dem Eiffelturm vor Augen, nicht das Armband von Tiffany’s, das man mir geschenkt hat. An New York finde ich nicht das „ohmeingott, guckt wie toll ich bin, ich bin in New York“ vor den Freunden angeben toll, sondern einfach mit den New Yorker Freunden in einer abgeranzten Bar ein Bier zu trinken. Vielleicht wird die Studentin mit ihrem Carrie Bradshaw Kleiderschrank und ihrem Einstiegsgehalt glücklich, mit ein paar Selfies vor schicken Boutiquen und Sehenswürdigkeiten irgendwo in der Welt. Ich plane derweil die nächste Reise zu Orten, wo ich schon immer mal hin wollte, telefoniere mit der Familie und wache neben dem Herzmann auf. Und vielleicht schaffe ich es sogar, von meinem Gehalt am Ende des Monats noch etwas zu sparen und mir mal eine neue Jeans zu kaufen, da besteht nämlich akuter Mangel bei mir.

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