Das mit diesem Vegan.

„Was machst du hier eigentlich?“
Das ist der Gedanke, den ich immer noch habe, wenn ich an einem Schwenkgrill vorbei komme. „Immer noch“ bedeutet in meinem Fall seit zweieinhalb Wochen, aber irgendwann muss man ja mal starten.
Zunächst einmal: Ich liebe Fleisch! Ich liebe Wurst, ich liebe Steak, ich liebe Fleischsalat im Kartoffelsalat. Und ich liebe Käse. Käse zu Wein, Käsebrot, Käsepiekser, mit Käse überbacken, gratiniert.. Käse, my love.
Meine Liebe zu diesen Lebensmitteln kommt wahrscheinlich nicht von ungefähr. Meine Mama hat jahrelang an der Käsetheke gearbeitet, meine Oma an der Fleischtheke. Der Geruch, den ich mit Oma in Verbindung bringe ist Wurst. Mein Lieblingskäse als Kind war Tilsitter aus der Hand, das hat sich jedoch mit dem Alter gebessert…
Und dann stand der Mann vor mir und sagte: „30 Tage Vegan Challenge. Ab jetzt.“ Und ehe ich mich versah, habe ich gesagt, dass ich mitziehe.

Vegan war in der Tat nichts, was bisher in das Sichtfeld, gar in die Nähe meines Speiseplans kam. Und nun sitze ich hier und habe in den letzten zweieinhalb Wochen maximal 3 mal Milchprodukte und kein einziges Mal Fleisch zu mir genommen. Und ich bin weder gestorben, noch auf Cold Turkey, noch hatte es bisher irgendwelche negativen Seiten.
Aber warum mache ich diesen „Irrsinn“ mit? Mit 14 Jahren hatte ich das erste Mal über mehrere Monate Magenprobleme. Man verschrieb mir Bachblüten-Tropfen. Mein damaliger Hausarzt meinte wohl, er sei irgendeine Art Medizinmann. An Lebensmittelallergien war da nicht zu denken. Und es ging auch etwas besser, ich hatte dennoch immer mal wieder Probleme. Als ich aus New York (hauptsächlich Bio-Food) und Singapur (hauptsächlich frisch zubereitetes Asiatisches Essen) zurück kam und das Deutsche Essen meinen Magen berührte, ging es wieder los. Magenkrämpfe, Blähbauch, das volle Programm und dennoch habe ich mich nicht auf Unverträglichkeiten testen lassen, das ganze einfach mal aufs Fett geschoben oder auf sonst was. Seit ich alleine wohne und für mich selber koche, kann ich eingrenzen, von welchen Lebensmitteln mein Magen am Rad dreht. Da wurde auch mal die ein oder andere Woche Gluten weggelassen und in den Momenten, wo ich dachte, es läge an Gluten meinte mein Magen etwas anderes.
Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich kein Fleisch und keine Milchprodukte mehr zu mir nehme oder ob das alles Einbildung ist, aber seit ich mich pflanzlich ernähre hatte ich erst ein, zwei Mal Probleme und im Vergleich zu der Zeit vorher ist das nichts, weshalb ich jetzt schon sagen kann, dass sich die letzten zweieinhalb Wochen für mich gelohnt haben.

Ich kann nicht sagen, dass ich mich von nun an für immer immer vegan ernähren werde. Ich möchte mir nämlich nichts verbieten. Und so fies es klingt: Ich ernähre mich nicht so weil ich ein Herz für Tiere habe. In meine heiße Zitrone kommt weiterhin Honig und wenn ich beim Weintrinken Lust auf Käse bekomme, esse ich Käse. Und ganz ehrlich, gegen ein gutes Steak von einem Rind aus Bio-Haltung in einem Restaurant, wo der Besitzer mit dem Bauern befreundet ist, werde ich auch nichts einwenden, sondern lächelnd ein Stück abschneiden. Ich werde mir kein großes „VEGANER WELTVERBESSERER“ auf die Stirn schreiben und andere Leute missionieren wollen und erst recht werde ich Leuten nicht aufschwatzen, Milch zu youtuben. Ich werde mich so ernähren, wie ich es für mich für richtig halte. Wahrscheinlich wird es so ein Party-Raucher Ding, situationsbedingt.

Ich bin gespannt, wie die nächsten Wochen werden und ob ich am Schwenkgrill nicht vielleicht doch mal einknicke, was ich alles an neuen Lebensmitteln entdecken und mögen werde. Vor allem freue ich mich aber darauf, weniger Magenprobleme zu haben und dadurch ein Stück mehr Lebensqualität zu bekommen. Und wer weiß, vielleicht gewöhne ich mich daran, nach dem Essen nicht mehr auf die Schmerzen zu warten sondern bin verwundert, wenn sie mal wieder auftreten.

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