Blockupy.

Am Freitag verbrachte ich meine Mittagspause auf der Frankfurter Zeil, dem Konsumparadies für Touristen, Girlies und Pfennigfuchser. Klar, dass dieser Ort nicht von den Blockupy Demonstranten verschont blieb.

Ich wollte kurz vorbei schauen weil eine Feministische Tanzblockade angekündigt war. Mitbekommen habe ich allerdings eine Kundgebung über ein viel zu leises Mikrofon, viele Personengrüppchen aus dem Europäischen Ausland und eine gute Stimmung unter den wachsamen Augen von etwa der doppelten Anzahl hübsch eingemummter Polizisten.
Neben den üblichen Verdächtigen unter den Konsumtempeln wie h&m, Zara und seit kurzem auch Primark gibt es auf diesem Abschnitt der Zeil auch einen Herrenausstatter. Herrenausstatter schneidern Anzüge, wer trägt Anzüge? Richtig. Die, die in den schön glitzernden Hochhäusern sitzen und über unser Geld richten. Nur so kann ich mir erklären, warum gerade der Herrenausstatter neben dem P&C ausgewählt wurde, drei oder vier große Kartons Müll und Scherben vor seine Pforten gekippt zu bekommen. Dazu noch ein paar Eier an die Scheibe. Dem bösen Herrenausstatter mal ordentlich zeigen, dass man kein Geld mit Qualität und hochwertigen Stoffen verdienen darf! Vielleicht war es auch einfach die Glasfront, aber ich möchte niemandem etwas unterstellen.
Hier eine der Fragen, die ich mir schon Freitag stellte. Im Kampf um faire Löhne und Arbeitsbedingungen, warum nicht der gegenüber liegende Primark oder der diagonal liegende Dunkin Donuts? Warum der Herrenausstatter?

Große Überraschung folgte auf das Auskippen von Müll, Scherben und den fliegenden Eiern: Eine Gruppe Kampfcops drängte sich zwischen Demonstranten und Schaufenster. Mehr Eier, mehr Parolen, hauptsächlich gegen die Polizisten. Die Antwort war eine Prise Pfefferspray und leichtes Kesseln von vorne und hinten. Was erwartet man auch nach so einer Aktion? Ich twitterte, dass ich das Bedürfnis hätte, mich in die Demo zu stellen und „Die machen auch nur ihren Job!“, getraut habe ich mich jedoch nicht, viele der Demonstranten hatten mich im Vorfeld schon ob meiner gewaschenen Haare und Kleidung schief angeschaut. Ich empfand diese Blicke so, als dürfe man nur in dreckigen Kleidern und stinkenden Dreadlocks für mehr Gerechtigkeit, Bankenregulierung und was weiß ich nicht alles demonstrieren.
Grundsätzlich verstand ich bis dahin nicht, warum man gegen die Polizei pöbeln muss. Vielleicht solidarisierte ich mich mit ihnen weil ich als SEO der Abschaum der sogenannten Netzgemeinde bin, vielleicht weil mein Vater Soldat ist und ich damit groß geworden bin, dass auch ein solcher Beruf nur 9 to 5 ist und mein Papa trotz seiner Ausbildung zum Töten (theoretisch weiß er wie das geht, praktisch befüllt er die Gulaschkanone mit Kantinen-Leckerbissen) ein lieber Mann ist.
Wie dem auch sei, die Cops waren zu diesem Zeitpunkt friedlich, keiner machte den Eindruck, eine Eskalation hervorrufen zu wollen, manche unterhielten sich nett mit älteren Demonstranten, die Sonne schien. Mit etwas brennenden Pfeffersprayaugen führte mein Weg zurück ins Büro, Schönheitsoperationen verkaufen sich schließlich nicht allein…

So sehr ich Freitag noch pures Unverständnis für die Parolen und Mittelfinger gegen die Polizisten hatte, steigt nun mit jedem Artikel über den Samstag meine blanke Empörung.
Ich konnte leider nicht dort sein, genau so wie ich am nächsten Samstag nicht dabei sein kann.
Was sind das für Menschen, die grundlos auf andere einknüppeln, Kinder und Alte mit Pfefderspray besudeln? Leute gefangen halten, Kameras zerstören, Verletzen die Hilfe verweigern? Können diese Personen Abends heim gehen und ihren Kindern, die wohl möglich stolz sind, weil Polizist in manchen Alterskreisen ein cooler Beruf ist, guten Gewissens einen Gute-Nacht-Kuss geben? Nachdem sie Leuten im Alter der Großeltern den Schlagstock durchs Gesicht gezogen haben, nachdem sie vielleicht den Klassenkameraden der Kleinen durch ihr Chemiespray Atemprobleme verursacht haben?
Können diese Leute ihrer Familie gegenübertreten und stolz auf ihre Taten sein? Ich habe mal Enten mit kleinen Steinchen beworfen, das ist mir vor meiner Mutter noch heute peinlich.

Für diese Kampfmaschinen habe ich mich nicht solidarisiert. Für diese Kampfmaschinen empfinde ich nur Abscheu.

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