Verschont mich doch bitte mit eurem mimimi.

Der Bekannte twittert, sein Tag sei im Eimer weil er die Bahn verpasst hat und die Nächste überfüllt sein wird. Die beste Freundin postet bereits Mittags das fünfte PETA-Video auf Facebook mit dem Vermerk, man solle sich mal in die Tiere hineinfühlen und dass Menschen Arschlöcher seien. Ein Autofahrer flucht weil einer dieser dämlichen Radfahrer vor ihm herzuckelt. Bergauf in einer Einbahnstraße. Auf einem Fixie. Ein alter Mann verscheucht Tauben weil es ihm „gegen den Strich geht, dass diese Drecksviecher die ganze Wiese im Park vollscheißen“. Und dann kommt noch die Kollegin und jammert weil sie in den Urlaub will. Dazu die zig drölfzig Tweets von Fremden, für die scheinbar auch wochentagunabhängig immer Montag ist.
Mimimi hier, mimimi dort. Mimimi nach dem Aufwachen, mimimi vor dem Einschlafen und dazwischen auch weil die Pommes in der Mittagspause nicht exakt 37 Grad hatten.

Ich liebe ich mimimi sehr. Wirklich. Ich kann das gut. Wenn ich neben dem perfekten Apple Pie eines kann, ist es mimimi. Aber momentan nervt es selbst mich.
Bahn verpasst? Vielleicht geht ja beim Überqueren des Flusses in der nächsten Bahn gerade die Sonne auf. Oh, wait. MIMIMI! Das wäre natürlich scheiße!
Menschen sind miese Arschlöcher? Besonders wenn sie sich nicht nur von Pflanzen ernähren? Ich erinnere mich noch an den glücklichen Blick der besten Freundin als wir in Belgien gemeinsam Frikandeln gegessen haben. Aus Fleisch. Mit Majo aus Eiern. Scheiße, was waren wir schlechte Menschen! Und kein Motzton kam über unsere glücksverzehrten Lippen.

Besonders gerne habe ich allerdings die Leute, die Nichts zu jammern haben. Die, die eigentlich mit allem zufrieden sein könnten. Die, die sich ihre schicken kleinen Luxusprobleme schaffen, an denen sie sich ergötzen und in ihrem Leid untergehen können.
Keine Schoko und Keks mehr im Haus? Auf der Stelle verhungern!
Die Bäckereifachverkäuferin hat vergessen zu erwähnen, dass Kümmel auf dem Brötchen ist? Diese Pute! Nie wieder würde ich dort einkaufen!

Mimimi ist toll, ich wiederhole mich da nur gerne wieder. Mimimi ist allerdings nur so lange toll, bis ein echtes mimimi auftritt. Eins, über das man sein mimimi nicht herausposaunt. Eins, über das man noch nicht einmal sprechen mag weil es einem mit voller Wucht in den Magen schlägt. Und manchmal, da telefoniert man mit den Eltern und bekommt gleich zwei mal von einem solchen mimimi in den Magen geschlagen. Als wäre eins nicht genug, bekommt man die volle Bandbreite ab. Nicht persönlich-persönlich aber trotzdem persönlich genug. Hier zehn Liter krebszellengespickte Flüssigkeit im Bauchraum, da eine tropfende Herzklappe.
So what?! Ihr habt die Bahn verpasst!

Nein, wirklich. Macht weiter so. Ich bin bald auch wieder dabei. Bis dahin verschont mich bitte mit eurem mimimi.

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