Ich bekomme ein Haus.

„Sabrina, wir müssen reden.“

„Okay, cool. Worüber?“

„Darüber, was passiert wenn deinem Vater und mir etwas zustößt.“

„Nein.“

Nennt es Naivität, nennt es Unsicherheit oder einfach nicht wahrnehmen wollen aber ich bin überzeugt, dass meine Eltern mindestens dreihundert Jahre alt werden. Von sowas will meine Mutter natürlich nichts hören obwohl es sie schmeichelt. Mutter wollte mit mir über Patientenverfügungen, Pflegeheime und das Haus sprechen. Mutter sprach auch über Patientenverfügungen, Pflegeheime und das Haus. Ich hörte stumm zu. 

„Uns passiert nichts. Aber wenn, dann sollst du eben alles entscheiden.“ Ich lachte. Ich, wo ich doch noch nicht einmal entscheiden kann, welchen Käse ich kaufe, solle im Falle des Falles entscheiden, ob meine Eltern künstlich weiterleben sollen? Meine Mutter kann nicht alle Tassen im Schrank haben (immerhin hat sie die letzten 25 Jahre mit mir ohne bleibende Schäden überstanden, da kann etwas nicht stimmen…). 

Im April möchte sie alles unter Dach und Fach bringen. Ab April habe ich noch gut zweihundertfünfzig Jahre Zeit, mit der Käsesortenentscheidung zu üben. Im April werde ich das Haus bekommen, das meine Urgroßeltern gebaut haben und in dem ich Laufen gelernt habe. Ich mag nicht darüber nachdenken und eigentlich ist es auch nur mein Name auf einem Blatt Papier. Trotzdem heißt es, dass meine Eltern nicht jünger werden. Ich möchte wieder acht sein und mich zwischen Schaukeln und Bäumeklettern entscheiden müssen. Für alles andere bin ich zu jung.

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