Ich kam, sprach und am Ende gab es Applaus.

Präsentationen oder Vorträge sind nichts Neues für mich. In meiner Studienzeit habe ich gefühlte dreihundert pro Semester gehalten. Meist waren dies Prüfungsleistungen zu Themen, die mich nicht interessierten aber gefordert wurden. Meist waren diese vor maximal dreißig Personen, die ich zum Ende hin schon drei Jahre kannte. Immer waren sie in einer kleinen Gruppe, in den letzten zwei Semestern immer mit den gleichen Jungs. Man kannte sich, wusste wo die Stärken der anderen lagen. Wusste, dass es okay ist, erst zwei Tage vorher Informationen zu sammeln und in eine Power Point zu knallen.

Am Montag war alles anders. Ich war allein. Ich kannte mein Publikum zum Großteil nicht, wie soll ich auch gut zweihundert Leute kennen? Ich stand allein auf einer Bühne mit Scheinwerfern und nicht vor einem Raum gelangweilter Studenten, die eh nicht zuhören. Es gab keine Noten, es geschah freiwillig, es war mein Thema.

Während ich die Wartezeit bis zu meinem Vortrag mit einem guten Liter Apfelwein überbrückte, den Nervenschnaps sicher in der Tasche wusste, wo auch die „Ohjeeee, alles daneben gelaufen“ Pralinen warteten, kamen erste Zweifel. Ich war nicht vorbereitet, bin keine der Folien im Kopf durchgegangen und habe mir kein Konzept davon gemacht, was ich sagen könnte.
Ohje ohje ohje.

Die drei kleinen Stufen zur Bühne… unendlich. Einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen. Wenn dich jemand fressen wollen würde, hättest du genug Zeit, wegzulaufen, ehe diese Person hier oben ist… weiter atmen… nochmal ein, nochmal aus. Witze während das Mikrofon eingestellt wurde, was denkt die Meute dort unten? Finden sie mich schon scheiße oder komme ich einigermaßen charmant rüber? Ohoh, Mikro eingestellt.. auf gehts. Nicht sterben, rede ruhig. Du kennst das Thema, du hast dich schon oft genug im kleinen Kreise darüber echauffiert. Atmen!

Erste Folie durch, erster Blick ins Publikum. Nicht zuzuordnende Gesichtsausdrücke. Wer sind diese Leute eigentlich? Was tue ich hier? Warum sitze ich nicht selbst dort unten und twittere über diese komische Gestalt dort oben, wie ich es sonst getan habe?
Dritte Folie, erste Lacher. Ich habe sie. Mein Selbstbewusstsein machte einen kleinen Hüpfer gen Himmel, das mulmige Grummeln im Bauch verschwandt. Weiter so, du hast sie. Jetzt bloß nichts versauen. Die nächsten Folien erlebte ich wie im Blackout. Was denken sie? Weitere Lacher. Irgendwie scheinen sie zu mögen, was ich rede… was genau sage ich überhaupt? Ich hatte keine Ahnung. Alles, was ich fühlte war der Apfelwein, der leise seine Bahnen durch mein Blut und in mein Gehirn fand. Warum hatte ich mir so viel Mut antrinken müssen? Sonst bin ich doch auch recht mutig…

Egal. Vortrag rum, Applaus. Moment, Applaus?! Wie jetzt? Für mich? Warum hören die nicht auf?? Die kennen mich doch noch nicht… meine Abschluss- und Vorstellungsfolie fehlt noch… Stop! Aufhören! Hallo?? Stoohooop!!! Gut, geschafft. Vorstellen, damit sie wissen wer ich bin. Sabrina, hej. Im echten Leben sowas mit SEO. Ich mag Kuchen! Ich mag Kuchen? Echt jetzt? Warum genau hatte ich diesen Punkt nochmal aufgenommen? Achja, ich sehe mich ja eher selbstironisch. Deshalb. Gut, runter von der Bühne, die Beine sind irgendwie aus halb geschmolzenem Eis. Zurück zu meinem Glas, hinsetzen, runterkommen.
Kein Durchkommen… mir wurde auf die Schulter geklopft, ich wurde gelobt. Guter Vortrag! Danke… Danke.

Zurück an meinem Platz, auch hier Lob und Schulterklopfen. Habe ich es dir nicht gesagt? Doch, hast du. Du hast an mich geglaubt, ich irgendwie etwas weniger als du.
Was nun? Tweets lesen? Eigentlich hatte ich mir doch geschworen, genau dies nicht zu tun. Was solls? Sie haben gelacht, sie haben applaudiert. Scheinbar mochten sie es. Twitter auf, weiter geht es mit dem Lob. Was soll ich sagen außer:

Danke! Danke, danke, danke! Danke an die, die mich aufgebaut haben. Danke an die, die gelacht und mir damit das mulmige Gefühl genommen haben. Danke an die, die mir auf die Schulter geklopft haben. Und Danke für die vielen Tweets.
Ihr habt meinen ersten Webmontag mit auf der Bühne stehen zu einem wunderbaren Erlebnis gemacht!

Ein ganz besonderer Dank geht natürlich an meine Nicht-Facebookbeziehung.
Fürs Präsentation vorher kritisieren*, die „Ohjeohjeohje“ Pralinen, den Nervenschnaps, das Mutmachen und generell einfach so. Bester! (*loben)

Twitterimpressionen? Twitterimpressionen!

(Falls sich das noch jemand fragt, die sind von The Wasteyard gemopst)

https://twitter.com/prachtmaedchen/status/290919022114009088

Und mein geheimer Favorit:

Außerdem geht ein Dank an Rob, der viel zu gern meckert und das bei mir mal ausgelassen hat… (zwinkerzwinker).

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Eine Antwort zu “Ich kam, sprach und am Ende gab es Applaus.

  1. :) gerade meine Tweet-Verlinkung gefunden

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