Immer wieder Samstags.

Während die Tage zwischen Montag und Freitag eher die Endgegner unter den Wochentagen sind, die Tage, an denen man unaufhörlich an der Intensität seiner Augenringe arbeitet, unmotiviert in den Tag startet und jeder Tag nach ziemlich dem gleichen Schema abläuft, ist der Samstag für mich einer der Heiligtümer der Woche. Ein Tag, an dem man durchaus den ganzen Tag im Bett liegen kann, ungeduscht den Kühlschrank durchwühlt und sich am Ende – wenn alles gut läuft – ein ziemlich tolles und großes Frühstück bastelt. Ein Tag, an dem es egal ist, wann und wie man aufsteht. Ein Tag, der es einem nicht übel nimmt, sollte man sich nochmal umdrehen weil die Decke die richtige Temperatur und das Kissen die perfekte Knautschigkeit haben.

Samstag war seit meiner Kindheit der heilige Tag in der Woche. Den Sonntag habe ich nie so stark wahrgenommen. Sonntage waren immer etwas langweilig, aber Samstage.. die hatten es in sich.
Samstag war der erste Tag der Woche, an dem ich meinen Papa vom Aufstehen bis zum Ins Bett gehen nur für mich hatte weil er unter der Woche in Belgien war. Samstag war (und ist, sofern ich bei meinen Eltern bin) der Tag, an dem ich um spätestens 10:00 Uhr von Mamas Es gibt Früüüühüüüühstüüüüüück! Ruf aus dem Bett gelockt wurde.
Samstag war der Tag, an dem unsere kleine Dreierkonstellation all die Familiendinge getan hat, die andere auch an den fünf Tagen davor zelebrieren konnten. Gemeinsames Kaffee trinken, gemeinsames Abendbrot, gemeinsames Fernsehen, all das hatte ich seit meinem sechsten Lebensjahr an normalen Tagen nicht und die Zeit davor ist in meiner Erinnerung sehr verschwommen.

Samstage waren wie Urlaub. Man machte sich hübsch, fuhr in die Stadt oder fremde Städte, kam Spätnachmittags mit Kuchen in der Tasche heim und führte seine neuen Dinge vor. Samstage waren für Freizeitparks. Samstage wurden hin und wieder für Besuche beim belgischen Teil meiner Familie genutzt, meist kam Papa dann Freitags heim und Samstagmorgen ging es in aller Frühe auf die Autobahn, die zu meinen Großeltern führte. Samstage waren für Restaurantbesuche, meist beim Griechen um die Ecke, dem besten Griechen der ganzen Stadt. Samstags kamen Freunde und Bekannte meiner Eltern und ich durfte bei den Erwachsenen sitzen bis ich die Müdigkeit nicht mehr überspielen konnte und ins Bett geschickt wurde.
Es waren tolle Samstage.

Irgendwann wurde ich älter, die Samstage änderten sich. Ich ging Abends mit meinen eigenen Freunden aus, erst bis zehn, dann länger. Häufig schliefen meine Eltern auf dem Sofa als ich Heim kam und ich musste sie ins Bett schicken. Zeiten ändern sich, das Frühstück blieb immer gleich. Deshalb ist mir der Samstagmorgen wohl besonders heilig. Die paar Stunden pro Woche, in der wir alle an einem Tisch saßen, Brötchen aßen und uns all das erzählten, was wir unter der Woche so erlebt hatten.

Heute ist wieder Samstag. Ein kurzer Moment der Nostalgie, allein in meiner WG und ohne den lokalen Radiosender meiner Kindheit. Ich werde meine Eltern anrufen und mir erzählen lassen, was passiert ist unter der Woche, auch wenn es nicht das Gleiche wie Früher ist.

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Herself!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s