Notbremse.

Du bist in einem Club. Eigentlich bist du schon viel zu betrunken aber das ist egal, so egal wie dir fast alles ist wenn du viel zu betrunken bist. So ist es dir auch egal, dass du gegen eine Glastür läufst. Als dich fünfzehn Meter weiter jemand auf das Blut anspricht, das dir aus der Nase läuft, ist es dir auch egal. Du denkst sogar, es könne ja recht cool aussehen. Tut es wahrscheinlich nicht aber wie gesagt, du bist zu betrunken, dass es dich interessieren könnte. Du tanzt, tanzt, tanzt zu mieser Musik, die du freiwillig niemals hören würdest. Du tanzt zu der Musik für die du kein Verständnis hast. Du tanzt trotzdem, dein Kopf dröhnt vom Alkohol, der Tür und der Musik. Es macht dir nichts aus, du bist schließlich zum Tanzen hergekommen und das wirst du auch bis zur Morgendämmerung tun. Beim Blick auf die Uhr fällt dir auf, dass dieser Zeitpunkt längst überschritten ist. Deine Eltern sitzen bestimmt schon am Frühstückstisch und haben keine Vorstellung davon, wie betrunkenglücklich ihre Tochter gerade in irgendeinem miesen Schuppen vor sich her tanzt. Du schaust dich um, die Personen in deinem Umkreis sind alle drauf. Du magst diese Leute nicht. Du solltest gehen, tust es aber nicht. Du bleibst, tanzt und trinkst weiter. Am nächsten Tag wirst du dir in etwa ausrechnen, wie viele Liter Alkohol deine Kehle herunterliefen und du wirst erschrocken sein, da die Zahl nah an die Zweistelligkeit herankommen wird.
Als du dich für einen Moment hinsetzt, setzt sich ein fremder Typ neben dich und verwickelt dich in ein Gespräch. Ihr smalltalkt. Du erfährst seinen Namen, den du direkt wieder vergisst, seinen Job, auch diesen vergisst du direkt wieder. Nichts aus diesem Gespräch ist hängen geblieben, das ist jedoch nicht schlimm, man sieht sich eh nie wieder. Er fragt, ob ihr raus gehen wollt, da sei es ruhiger und man könne besser reden. Du weißt natürlich, das das heißt. Trotzdem nickst du. Rausgehen ist quasi der erste Schritt des Nachhausewegs, den kannst du gut gebrauchen. Beim Öffnen der Clubtür blendet dich das Tageslicht, kalte Luft peitscht in dein Gesicht und deine Lungen. Hier geht es dir besser als unten im muffigen Gedränge. Der Typ lächelt dich an, du lächelst zurück. Er redet irgendetwas, du willst nur heim in dein Bett. Dann seine Frage, zu wem ihr gehen wollt, er habe noch Speed und würde es mit dir teilen um dann den ganzen Tag durchzuvögeln. In deinem Kopf rotiert es. Vor einiger Zeit hättest du zugestimmt, nicht zu den Drogen, allerdings zum Rest. Vor einiger Zeit hättest du nach einer solchen Nacht nicht allein sein wollen und warst es häufig auch nicht. Vor einiger Zeit waren die Dinge noch anders. Heute lächelst du diesen fremden Typen an. Er sieht eigentlich ganz gut aus. Du lächelst ihn an und lehnst dankend ab. Dann gehst du in die Bahnstation, er geht dir hinterher. Fragt, ob du dir ganz sicher seist. Du bist es. Du willst allein in dein Bett. Allein aufwachen. Sagst ihm, er sei nett und solle am Besten auch heimgehen. Deine Bahn kommt, er lächelt immer noch. Du wünscht ihm eine gute Nacht und bist weg. In der Bahn gratulierst du dir zu deiner Entscheidung und fühlst dich unglaublich erwachsen obwohl du es nicht bist.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Herself!

Eine Antwort zu “Notbremse.

  1. Frau Fabelhaft

    Kommt mir irgendwie bekannt vor. :)

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