Keinen Sinn.

Jemand wurde auf gefühlten drölfzig Fotos markiert. Jemand, den du seit letztem Jahr nicht mehr gesehen hast und der nur spärlich auf anderen Fotos auftauchte. Jemand, der einen gewissen Abschnitt in deinem Leben markierte.

Dein Finger fährt langsam über das Touchdings, hin zu den Bildern. Ein kurzes Innehalten. Es macht keinen Sinn. Es macht keinen Sinn, sich diese Fotos jetzt anzuschauen. Trotzdem tust du es.

Und da sind sie, die Erinnerungsfetzen. Es macht keinen Sinn. Es macht keinen Sinn, sich jetzt zu erinnern. Jetzt, nachdem alles so fern ist. Egal. Nach und nach wird jedes Bild angeschaut. Du guckst Jemand an, denkst Gut schaust du aus.. Genau so gut, wie Jemand in deiner Erinnerung gespeichert ist. Es macht keinen Sinn. Es macht keinen Sinn, jetzt zu denken, wie gut Jemand aussieht.

Das wird jedoch ignoriert. Weiter, weiter, weiter. Bild für Bild für Bild. Langsam kommen stärkere Erinnerungen hoch. Erinnerungen daran, wie ihr das erste Mal gemeinsam rumgehangen habt. Daran, wie ihr gemeinsam seinen Geburtstagskuchen verputzt habt. Daran, dass Jemand die erste Person war, der du von einem bestimmten Ereignis erzählen wolltest. Einem Ereignis, an dem Jemand nicht unbeteiligt war.

Es. macht. keinen. Sinn. Es macht keinen Sinn, genau jetzt darüber nachzudenken. Jetzt, wo Jemand drölfionen Kilometer entfernt ist. Jetzt, wo du in einem völlig anderen Leben bist als Jemand. Trotzdem erinnerst du dich weiter. Daran, wie viel zu viel Whiskey im Spiel war. Daran, wie du keine Lust hattest, eine einstündige Bahnfahrt auf dich zu nehmen und dich einludst. Daran, wie du auf dem Sofa schlafen wolltest und dich trotzdem ins Zimmer von Jemand schmuggeltest. Daran, wie gut du geschlafen hast. Es macht immer noch keinen Sinn. Das ist egal, jetzt bist du in Fahrt.

In einer wilden Gedankenfahrt. Wilde Gedanken davon, wie Jemand deine komische Stimmung erkannte, dir wortlos einen Kaffee brachte und stumm neben dir saß. Davon, wie du hofftest, Jemand würde vor deinem Umzug noch einmal auftauchen, dir ein See ya zuflüstert und wie es nicht geschah. An die nächtlichen Nachrichten. Alle fingen mit Hey you. an. Davon, wie sehr du diese Nachrichten irgendwann vermisstest. Es macht keinen Sinn. Es macht immer weniger Sinn, darüber nachzudenken.

Du tust es trotzdem. Du verschwendest weiter Gedanken. An ein Wiedersehen, ein Jahr später. An viele trunkene Nächte. Daran, wie Jemand in einer Nacht mit einer Anderen ging und du empörte Nachrichten an deine beste Freundin schriebst. Spätestens an diesem Punkt macht es absolut keinen Sinn mehr.

Egal, ein Bild geht noch. Eine weitere Erinnerung. Wieder Whiskey, diesmal ein gemeinsames Sofa. Schau nicht hin. Tu, als würdest du schlafen. Natürlich hast du hingeschaut. Jemand schaute dich auch an. Wieder eine gute Nacht. Dann wieder die Hoffnung auf ein See ya zum Abschied. Nichts. Kein Wort. Kein Jemand in Sicht.

Es macht keinen Sinn. Es macht keinen Sinn, weiter zu denken. Es macht keinen Sinn, sich weiter zu erinnern. Es macht keinen Sinn, genau jetzt das Lied zu hören, dass dich an Jemand erinnert. Egal. Du tust es trotzdem. Du lächelst. Du denkst ein weiteres Mal Gut schaust du aus.. Dann denkst du daran, dass es wirklich keinen Sinn macht und belächelst kurz die letzten zehn Minuten. Diese zehn Minuten voller guter Erinnerungen. Diese zehn Minuten, in denen du dir klar machtest, dass es keinen Sinn macht, weiter auf die Vergangenheit zu schauen. Diese zehn Minuten, in denen du feststelltest, dass es gut ist, wie es momentan ist. Dass du dir keine Gedanken machen möchtest.

Es macht also doch Sinn.

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