Septemberstreetstylemädchen.

Durch meinen Job habe ich momentan sehr viel mit Beauty- und Modeblogs zu tun. Mit schlechten und noch schlechteren. Manchmal ist auch ein guter dabei. Allerdings schwebt mir immer die Frage nach dem Warum im Kopf.

Bisher habe ich am Rande zwei Fashionweeks mitbekommen. 2010 in New York und 2011 in Barcelona. Dort standen sie, eingehüllt in ihr schönstes „Ich seh so toll aus“ Outfit, mit der Kamera in der Hand, auf der Suche nach Leuten mit einem coolen Stil. Ich fand sie lächerlich, diese Modebloggermädchen.

Klar, ich bin auch ein Mädchen. Es liegt wohl auch teilweise in der Natur eines Mädchens, sich Kleidung zu kaufen und zumindest okay auszusehen. Das ist der Eindruck, den ich bisher von meiner Kleidung hatte. Sie sieht okay aus. Hin und wieder kombiniere ich den größten Müll, den mein Schrank hergibt. Eigentlich immer. Weil ich mir keine Gedanken mache, was ich anziehen könnte damit es gut zusammen passt. Ich ziehe einfach etwas an damit mir nicht kalt ist. Dinge, die mir gefallen. So besitze ich ein (mittlerweile lila gefärbtes) David Bowie Shirt, mehrere zerschlissene Strumpfhosen, eine abgeschnittene 501 aus New York und mehrere Paare Keds. Das bin ich. Verwunderlicherweise beeindruckt das andere Personen. Sogar so sehr, dass sie mich als Streetstylemädchen in einem Frankfurter Gratismagazin vorgeschlagen haben.

Gestern also die Mail, dass ich im September das Streetstylemädchen sein könnte. Große Spannung und Klamottentipps von oben genannter Person. Mir ist es relativ egal. Ich mache mir einen Spaß aus dieser Geschichte. Für andere ist es leider kein Spaß. Fashionblogger.
Hauptsache täglich ein sogenanntes OTD aus möglichst vielen Perspektiven fotografieren und bloggen. Ich persönlich musste OTD  ja erst einmal googeln. Es heißt Outfit of the Day und ist wohl was ganz Tolles. Meine Beobachtungen sagen, ein OTD besteht aus Schuhen, einer Hose/einem Rock/einem Kleid, einem Tshirt/einer Bluse/ einer Strickjacke oder Pullover und Accessoires. Ich glaube, die sind ganz wichtig, so häufig wie sie in Nahaufnahmen dargestellt werden. Sowas besitze ich kaum. Ich besitze einen Ring, den ich von meiner belgischen Oma geerbt habe. Und einen Ring, den ich auf dem La Dispute Konzert auf dem Boden fand. Oh, ein paar Ketten habe ich auch. Das wars. Keine coolen Armbänder, Anstecknadeln oder Haarschmuck. Ich besitze auch keine coolen Designerteile, die ich lässig mit Second Hand kombinieren kann. Ich besitze Second Hand. Voll cool. Morgen werde ich es Vintage nennen. Was auch immer das heißen mag.

Mittlerweile ist es 23:oo Uhr. Ich habe keine Ahnung, was ich bei diesem ultraspontanen Shooting (hrhrhr) anhaben werde. Ich werde wohl aussehen wie immer. Das macht Streetstyle doch auch aus, oder? Nichts besonderes. Der „Ich geh nur kurz Brötchen holen“ Look. Oder täusche ich mich und die Straße ist der Laufsteg für alle, die es nie auf den Laufsteg schafften? Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung. Es interessiert mich auch nicht. Weil ich nicht erwarte, dass mich beim Brötchen holen jemand anschaut. Oder es nicht hoffe. Denn in diesen Situationen trage ich meist eine drei Größen zu große Jeans und ein Bandshirt, manchmal einen Hoodie. Auch laufe ich nicht grazil sondern trampele. Wie immer eben. Morgen werde ich mir allerdings Mühe geben, meine Haare zu bändigen. Hach, bändigen klingt nach riesiger Wallemähne. Hab ich nicht. Ich hab einen rausgewachsenen Undercut in der kritischen Länge, wo er alles macht was ich nicht möchte. Ich bin halt einfach nicht perfekt. So werde ich im Gratismagazin ebenso nicht perfekt sein. Straße eben. Echtes Leben und so.

Sorry, Modebloggermädchen. Eure Seifenblase ist mir suspekt. Weil ich sie nicht nachvollziehen kann. Trotzdem spiele ich mit.

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