Mein Tanzkreis, dein Tanzkreis.

Ich drücke Nähe gerne in Tanzkreisen aus. Meist Nähe zu Fremden. Mein Tanzkreis ist heilig. Wenn man in ihn herein möchte, muss man sich entweder sehr anstrengen oder mir sehr viel Alkohol spendieren. Also auch anstrengen. Aus diesen Gründen ist mein Tanzkreis häufig sehr groß.
Man kann Tanzkreise auch als Personal Space bezeichnen. Den Begriff habe ich in Amerika gelernt. Tanzkreis find ich persönlich allerdings passender weil ihn jeder kennt und weil Personal Space allein schon durch Space viel zu weit gefasst ist und damit ungreifbar wird. Ein Tanzkreis entspricht einfach den ausgestreckten Armen wenn man sich einmal um die eigene Achse dreht.
Die meisten Personen kennen das Tanzkreis-Prinzip. Spätestens dann, wenn sie in einer Bar dort stehen, wo jegliche Personen jetzt in diesem Moment unbedingt dran vorbei müssen. Oder wenn man in der Bahn sitzt oder steht und sich gefühlt alle anderen Fahrgäste anschmiegen müssen obwohl genug Platz für alle ist. Jemand macht sich in der imaginären Seifenblase um eine Person herum breit und merkt es nicht.
Hier ist es dann meist angebracht, sich mit ernstem Gesichtsausdruck vor diese Personen zu stellen und mit den Armen vor dem Körper einen Kreis zu symbolisieren: Mein Tanzkreis. Im nächsten Schritt zeichnet man der anderen Person eine Linie um: Dein Tanzkreis. Ganz einfaches Prinzip. Ich tanze nicht in deinem Kreis, also bleib bitte auch aus meinem heraus.

Während die meisten Menschen dieses Prinzip verstehen und vielleicht sogar selbst befolgen gibt es eine große Anzahl an Personen, denen jeglicher Personal Space, Tanzkreis, Seifenblase völlig egal ist. Sie versuchen einen mit aller Kraft zu einem Klammerblues, wenn nicht sogar zu einem Lambada zu zwingen. Sie drängen sich auf und kommen einem näher als Johnny Castle es sich je bei Baby getraut hätte. Sie versuchen mit aller Kraft einen Fetzen Aufmerksamkeit zu bekommen und sind beleidigt, wenn man nicht darauf eingeht. Dann werden sie zickig, kippen einem vielleicht sogar einen Martini ins Gesicht. Wenn nicht real, dann wenigstens imaginär.
Wie gesagt, ich glaube an Tanzkreise. Ich glaube daran, dass das menschliche Zusammenleben sich nicht in Lambada ausdrückt. Und eine Wassermelone getragen zu haben reicht noch lange nicht aus, jemanden an den Hüften festzuhalten und ihn sich über den Kopf schwingen zu müssen. Menschen brauchen Tanzkreise. Menschen tanzen gerne alleine. (Manchmal auch Klammerblues.) Aber vor Allem sollten Menschen lernen, Tanzkreise zu akzeptieren. Auch wenn es keinen anderen Weg zum Diskoklo gibt.

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